Aufräumcoach Rita Schilke bei einem Kundenbesuch

Foto: Ordnungscoach Rita Schilke: Freiraum schaffen

Rita Schilke bei RBB

Rita Schilke zu Aufräumen & Freiraum schaffen im rbb Kulturradio vom 16.02.2013

Ich werde bei einem Kundenbesuch von rbb Kulturradio begleitet. Der Radio-Beitrag gibt Einblicke in meine Tätigkeit als AufräumCoach und lässt sich auf dieser Seite nachlesen.

 

Moderatorin: Es gibt, grob gesagt, zwei Menschentypen: die einen, die werfen alles weg, was sie nicht unmittelbar benötigen. Der andere Typ hebt auf. Die schöne Pralinenschachtel, die könnte doch im leeren Zustand eine hübsche Fotoschachtel abgeben. Plastiktüten, die braucht man schließlich immer und Bücher, na ja, die will man an langen Winterabenden vielleicht auch lesen. Und nach ein paar Jahren haben sich wahre Gebirge in der Wohnung gebildet. Was tun? Einen Profi mieten, der hilft, die Berge abzutragen. Für alle entgrenzten Sammler ist der Besuch von Rita Schilke eine Offenbarung. Margit Miosga war Zeugin.

 

Margit Miosga: Sie ist ein sportlicher Typ: kurze Haare, Jeans, ein T-Shirt mit dem Aufdruck „AufräumCoach“. Er, ein feingliedriger älterer Herr der in seiner Altbauwohnung empfängt. Ich, die Zeugin war auf ein grandioses Chaos eingestellt.

 

Rita Schilke: Nee, nee, nee, es sind ja kein Messis, die sich bei mir melden. Herr Arnim zum Beispiel, der hat mich gerufen, weil er viele, viele Bücher hat, ganz viel Papiere. Er hat so viele Sachen, wo er zu tun hat, wo er hingeht, Aktivitäten. Und irgendwann ist es zu viel geworden, und jetzt denkt er „jetzt muss ich mal was machen“ und dann hat er sich Hilfe gerufen.

 

Herr Arnim: Ich habe es versucht. Erst war ich ein bisschen zu stolz, und ich sagte, das musste doch alleine hinkriegen. Ich habe mich zum Beispiel mit Büchern eingemauert, ja? Ich habe zum Beispiel im letzten Jahr so an die 8 bis 9 Meter Bücher aussortiert.

 

Margit Miosga: Rita Schilke lächelt wissend. Sie entscheidet nicht, welche Bücher wegkommen, aber sie spricht Empfehlungen aus.

 

Herr Arnim: Und manche Empfehlungen sind ein bisschen nachdrücklich und auch… (lacht).

 

 

Rita Schilke: Wenn ich mir jedes einzelne Buch angucken würde, dann bräuchten wir ja ewig. Ich sehe nicht nur jetzt Bücher oder andere Papier-Stapel. Wenn ich da lese „1973“, dann ist es für mich schon immer klar: das braucht man nicht aufheben. Familiensachen, da gibt es ja auch Ausnahmen. Viele wissen einfach nicht: „Darf ich das wegschmeißen? Brauche ich det nochmal?“ Da ist einfach auch die Angst, man könnte es noch mal gebrauchen.

 

Margit  Miosga: Der Kunde hat zu Rita Schlike Vertrauen. Er gewährt ihr Einblick in seine privaten und geschäftlichen Papiere. Das empfindet er als einen ebenso intimen Akt wie einen Arztbesuch. Sie geht so zu zartfühlend vor wie eine gute Ärztin.

 

Rita Schilke: Herr Arnim ich könnte mir vorstellen, heute mal diese Ecke zu machen. Und dann geht es wirklich Blatt für Blatt, wird geguckt. Letztendlich entscheidet er. Ok. Das ist ein absoluter Entwicklungsprozess. Es geht ja wirklich darum, sich trennen zu können und wenn die Menschen das jahrelang nicht konnten, dann kann man auch nicht davon ausgehen, nur, weil ich jetzt ein paar Mal da bin, dass sie jetzt total bereit sind, sich zu trennen.

 

Margit  Miosga: Länger als drei Stunden bleibt Rita Schilke nie. Die Arbeit ist für beide anstrengend.

 

Herr Arnim: Es ist eine Erleichterung, Befreiung. Und meistens ist es ja so, dass wir gemeinsam runtergehen. Frau Schilke hat dann irgendeinen Beutel in der Hand und ich auch noch was, ne Kiste mit irgendwelchem Krimskrams. Und dann schmeißen wir das gemeinsam unten in die Tonne.

 

Margit Miosga: Die Bücher gehen zu Oxfam, die alten Briefe in den Papiercontainer. Heute hat sich die Aufräumerin die Küche mitsamt der Speisekammer vorgenommen. Bei ihrem fünften Besuch will sie eine Pause vom vielen Papier einlegen.

 

Rita Schilke: Was mir sofort auffällt: überall Werkzeug, unten, oben, Putzmittel Nahrungsmittel, irgendwie alles zusammen. Und da könnte ich mir vorstellen, dass wir det heute machen. Ich hole erst mal alles raus. So. Hier haben wir weiterhin Nahrungsmittel.

 

Margit Miosga: Sie hält eine leere, eingestaubte Bierflasche hoch, die er ihr sofort aus der Hand nimmt.

 

Rita Schilke: D.h. sie wollen die Flasche aufheben, weil sie aus Flensburg kommt, weil sie alt ist.

 

Herr Arnim: Weil ich aus Flensburg komme.

 

Rita Schilke: Und da brauchen Sie diese Flasche?

 

Herr Arnim: Wenn Sie wollen, können Sie sie als Souvenir auffassen. Ja.

 

Rita Schilke: Na, dann stellen wir sie erst mal beiseite. Wie sagt man, Fleischwolf? Benutzen Sie den eigentlich noch?

 

Herr Arnim: Ich habe ihn einmal benutzt.

 

Rita Schilke: Aber ist aber schon ein paar Jahre her, wa?

 

Margit Miosga: Uralte Marmelade, doppelt vorhanden Küchengeräte, leere Gläser. Als ich gehe, steht der gusseiserne Fleischwolf neben der Türe, wo all die Dinge warten, die heute aussortiert wurden. Die Bierflasche konnte sich noch behaupten. AufräumCoach und Kunde sind zufrieden. Das nächste Mal sind wieder die Bücherregale dran.

 

Moderatorin: Ja, der nächste Frühjahrsputz, er kommt bestimmt. Vielleicht ist so ein AufräumCoach auch was für Sie!

 

(c) aufraeumcoach-berlin.de & kulturradio.de

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